Auslandssemester: „Eine gute Chance, sich neu zu erfinden.“
18.03.2026

Drei HTWK-Studierende berichten von ihren Erfahrungen
Ob in der Instagram-Story einer Bekannten, als Ratschlag in der Vorlesung oder bei den „Top 10 Bewerbungs-Tipps“: Während des Studiums begegnet man früher oder später dem Thema Auslandssemester. Besonders als Studienanfängerin bzw. Studienanfänger sieht man zwischen all den vielen Möglichkeiten im Ausland Studienerfahrung zu sammeln nicht gleich durch: Was bedeutet die Auslandserfahrung für Studierende? Was ist an der HTWK Leipzig möglich? Was macht man, wenn man im Ausland plötzlich auf sich allein gestellt ist?
Um Einblicke in diese Fragen zu bekommen, erzählen die drei HTWK-Studierenden Nici, Max und Dilan von ihren Erlebnissen, Erkenntnissen und Herausforderungen. Max ist 23 Jahre alt und absolvierte im Wintersemester 2024 in Gjøvik, Norwegen, ein Austauschsemester. An der HTWK Leipzig studiert er Informatik im Bachelor. Die 27-jährige Nici ist erst vor Kurzem zu einem Erasmus+-Semester in Rom, Italien, gewesen. Hier in Leipzig studiert sie Architektur im Master. Dilan ist 23 Jahre und als Buch- und Medienwirtschafts-Studentin trat sie ein Auslandssemester in Antwerpen, Belgien, an. Abschließend gibt Kristin Törpel, Ansprechpartnerin für Outgoing-Studierendenmobilität, fünf praktische Tipps zur Vorbereitung auf ein Auslandssemester.
Entscheidungswege
Wie seid ihr auf die Möglichkeit für ein Auslandsstudium aufmerksam geworden?
Nici: „Für mich stand das irgendwie schon immer fest, weil ich auch im Bachelor schon ein Erasmus-Praktikum in Madrid gemacht habe. Außerdem war ich bereits vor meinem Studium zwei Jahre auf Reisen. Ich finde, es ist eine Chance, die man auf jeden Fall nutzen muss und ich finde es schade, wenn das so viele Leute nicht machen. Deswegen war es für mich auf jeden Fall klar.“
Max: „Zu den Ersti-Tagen tatsächlich. Auch als ich schon Ersti war, wurde das kurz erwähnt. Ich fand das ganz cool und habe mich auf der Website umgeguckt: einfach in der Suchmaschine „HTWK-Auslandssemester“ eingegeben und da kam ich auch relativ schnell auf die passende Seite, wo man alle Informationen bekommt. Dort war Frau Törpel direkt als Ansprechpartnerin gelistet. Man kann zu Infoveranstaltungen gehen, was ich dann einfach gemacht habe. Da wurde ganz viel erzählt: Wie das alles funktioniert, und welche Webseiten man besuchen muss, um sich die möglichen Aufenthalte anzugucken. Mit einer Partnerhochschule ist es dann relativ einfach.“
Dilan: „Tatsächlich hatte ich die Möglichkeit eines Auslandsstudiums lange gar nicht bedacht. Nach meinem Praktikumssemester wollte ich allerdings noch einmal eine andere Perspektive bekommen. Meine Praktikumsbetreuerin im Verlag hatte mir immer so begeistert von ihrem Erasmus+-Aufenthalt erzählt, weshalb ich das unbedingt auch erleben wollte. Während des Praktikumssemesters war ich in einer der Sprechstunden von Frau Törpel und habe mich anschließend direkt auf die Bewerbung vorbereitet.“
#nicetoknow
Oftmals ist die Rede von „Outgoing“: im Hochschulkontext bezeichnet dies Studierende, Lehrende oder Forschende, die für ein Studium, Praktikum oder eine Lehrtätigkeit ins Ausland gehen (Mobilität).
Um für ein bis zwei Semester im Ausland zu studieren, bietet sich an der HTWK Leipzig die Möglichkeit zur Bewerbung an einer der rund 130 Partnerhochschulen. Möglich ist auch, als sogenannter „Free Mover“ an eine andere Hochschule im Ausland zu gehen und das Auslandstudium eigenständig zu organisieren oder einen kürzeren Auslandsaufenthalt durch den Besuch einer Sommerschule ins Studium zu integrieren.
Selbstorganisation, verbesserte Fremdsprachenkenntnisse sowie die Entwicklung von Fähigkeiten zur Kommunikation und Interaktion mit Menschen anderer kultureller Hintergründe (interkultureller Kompetenzen) stehen im Fokus eines Auslandsaufenthaltes.
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Die Qual der Wahl
Nach welchen Kriterien habt ihr euch für ein Land und eine Partnerhochschule entschieden?
Nici: „Eigentlich war es ein witziger Zufall, weil ich in Madrid ein Praktikum gemacht und dort mit drei Italienern aus Rom zusammengewohnt habe. Ich dachte mir so: ‚Es wäre nett die wiederzusehen!‘, weil wir damals Freunde geworden und seit dem ersten Auslandsaufenthalt in Madrid auch Freunde geblieben sind. Wir haben es immer geschafft, uns einmal im Jahr wiederzusehen. Als ich nach Leipzig gezogen bin und gesehen habe, dass man auch nach Rom kann, war das eigentlich keine Frage mehr.“
Max: „Weil ich sowieso schon mal nach Norwegen wollte, die Natur ganz schön finde und die Leute interessant sind. Ich gehe auch gerne wandern. Nach drei, vier Wochen in einer WhatsApp-Gruppe, in der alle Austauschstudenten drin waren, wurde geschrieben: ‚Hey, ich mache einen kleinen Roadtrip mit ein paar Leuten. Wir brauchen noch zwei, damit wir das Auto voll bekommen.‘ Da bin ich einfach spontan mitgefahren. Wir haben einen Dreitagestrip nach Geiranger gemacht. Und das war super random, aber es hat einfach super funktioniert.“
Dilan: „Mich hat an Belgien und Antwerpen tatsächlich das Studienprogramm überzeugt. Die Hochschule hat ein eigenes Studienprogramm für Erasmus+-Studierende. Der Studiengang dort hatte einen größeren Fokus auf Technik. Vieles war erstmal unbekannt, aber ich habe ja genau nach einem anderen Blickwinkel gesucht. Am Ende war auch das ganze Hochschulsystem etwas anders als in Leipzig, wodurch ich auch andere Perspektiven kennenlernen durfte. Außerdem war der Kurs komplett auf Englisch, was mich sehr ermutigt hat.“
„[…] niemand kennt einen, niemand hat irgendwelche Erwartungen an einen. […] ich glaube, so frei, wie man da ist, kann man auch nur im Studium sein.“ – sagt Studentin Nici über das Gefühl weit weg von Zuhause.
Ein folgenreicher Schritt für das eigene Ich...
Was macht einen Auslandsaufenthalt empfehlenswert für andere Studierende?
Nici: „Ich finde es einfach eine tolle Erfahrung. Man lernt viel über sich selbst, über das andere Land und auch einfach eine neue Sprache. Es ist eine gute Chance, sich neu zu erfinden. Man ist irgendwo anders, niemand kennt einen, niemand hat irgendwelche Erwartungen an einen. Ja, und ich glaube, so frei, wie man da ist, kann man auch nur im Studium sein.“
Max: „Es nimmt ein bisschen den Druck raus aus dem Studium. Klar hat man dort auch Druck, dass man bestehen muss – vor allem, wenn man dann Auslands-BAföG bekommt oder für das Erasmus+-Stipendium. Aber sonst ist das eine supercoole Erfahrung. Man kann richtig studieren, die Kurse besuchen und diese Erfahrungen machen, wie es in anderen Universitäten und Hochschulen abläuft. Ich kann jetzt sagen, dass es gar nicht so viel anders war als an der HTWK.“
Dilan: „Es ist eine großartige Möglichkeit, aus seiner eigenen Komfortzone herauszukommen. Man begegnet anderen internationalen Studierenden und lernt so viel Neues! Selbst wenn einem manche Aspekte oder Module nicht gefallen, lernt man viel über sich selbst. Sei es fachliche oder persönliche Diskussionen, man trifft auf so viele spannende Perspektiven und Erfahrungen.“

„Erst bei der Recherche ist mir bewusst geworden, wie viele Fördermöglichkeiten existieren.“ – sagt Studentin Dilan heute.

Welches Studierendenwerk ist zuständig?
Je nach Zielland, in dem man das Auslandssemester absolvieren möchte, sind unterschiedliche Studierendenwerke für die Bearbeitung des Auslands-BAföG-Antrages zuständig.
Studieren im Ausland? Auch eine Finanzierungsfrage!
Wie habt ihr den Auslandsaufenthalt finanziert?
Nici: „Ich habe die Erasmus-Förderung bekommen und noch einen Zuschuss, weil ich Erstakademikerin bin. Außerdem habe ich Auslands-BAföG bekommen und vorher auch noch gespart. Ich finde, die Förderung hilft einem schon, aber man sollte einen eigenen finanziellen Puffer haben.“
Max: „Ich habe das Erasmus-Geld bekommen. Das sind 600 Euro im Monat. Dann habe ich auch noch Auslands-BAföG beantragt. Das ist eine etwas schwierige Geschichte gewesen. Wenn es ums Auslands-BAföG geht, beantragst du das nicht hier in Leipzig, sondern bei dem Auslands-BAföG-Amt, das für dein Zielland zuständig ist. Als ich in Norwegen war, konnte ich erst die letzten Dokumente beim Auslands-BAföG-Amt einreichen und hatte erst einen Monat vor Ende das Geld auf dem Konto. Die Zeit dazwischen habe ich von Erspartem gelebt.“
Dilan: „Eine große Hilfe für mich war die Erasmus+-Förderung mit dem Zuschuss für Erstakademiker und Erstakademikerinnen, da die Mieten für WG-Zimmer in Belgien doch etwas höher waren, als erwartet. Gleichzeitig hat mich aber auch die Studienstiftung des deutschen Volkes sehr unterstützt, da das Förderwerk das Inlandsstipendium auch bei Auslandsaufenthalten fortführt. Ohne Erasmus+ oder die Studienstiftung hätte ich das Auslandssemester so nicht umsetzen können. Erst bei der Recherche ist mir bewusst geworden, wie viele Fördermöglichkeiten existieren.“
„Hindernisse und Schwierigkeiten sind Stufen, auf denen wir in die Höhe steigen“ – Nietzsche
Was waren die größten Herausforderungen?
Nici: „Am Anfang war es mit der Sprache schwierig. Ich habe eigentlich nur Kurse in Englisch belegt und dann war einer auf Italienisch: Da muss man auch erstmal klarkommen irgendwie. Es war dann am Ende etwa 50/50 Englisch/Italienisch. Ein Professor dort sagte als ersten Satz: ‚Ja, ich weiß, der Kurs ist in Englisch, aber mein Englisch ist eigentlich voll schlecht.‘ Und dann hat er drei Stunden auf Italienisch die Vorlesung gehalten. Dann hatte ich auch so eine komplizierte Wohnsituation. Ich habe mit meiner Vermieterin zusammengewohnt: das kann ich nicht empfehlen!“
Max: „Das Anerkennenlassen fand ich relativ schwierig. Es hat bei mir so zwei, drei Monate gedauert, bis ich überhaupt erfahren habe, dass der Auslandaufenthalt angerechnet wurde. Das war schon ein bisschen stressig. Aber am Ende hat es geklappt.“
Dilan: „Ich glaube die größte Herausforderung war tatsächlich nach dem Aufenthalt wieder mit dem Studium in Leipzig zu starten. Da ich den Entschluss zum Auslandsaufenthalt im vorletzten Semester fasste, hat mich das Auslandssemester außerhalb der Regelstudienzeit gebracht. Als ich zurückkam, hatten viele Kommilitoninnen schon ihren Abschluss und ich hatte nur noch die Bachelorarbeit vor mir. Am Anfang war es schwer, wieder reinzukommen aber das Bachelorseminar und das gemeinsame Schreiben in der Bibliothek haben mir sehr geholfen.“

Wie funktioniert die Anerkennung von Leistungen?
Die Anerkennung von Leistungen wird bereits vor dem Auslandsaufenthalt mit den Ansprechpersonen an der jeweiligen Fakultät besprochen und über ein Learning Agreement abgestimmt. Nach dem Auslandsaufenthalt erfolgt die formale Beantragung.
„Ich würde einfach sagen, wenn man die Möglichkeit hat, dann sollte man das unbedingt machen! Man kann eigentlich nichts verlieren und bekommt so viel Neues mit.“ – ist die Meinung von Informatik-Student Max

Zu guter Letzt
Möchtet ihr anderen Studierenden noch einen Rat mitgeben?
Nici: „Viele sind sehr in dieser ‚Erasmus-Bubble‘ geblieben. Ich habe schon von Anfang an versucht, andere Freundschaften zu schließen, weil es eben so eine einmalige Situation ist. Jetzt habe ich zum Beispiel das Glück, dass wenn ich nach Rom fahre, ich da viele Leute kenne, die ich besuchen kann.“
Max: „Ich würde einfach sagen, wenn man die Möglichkeit hat, dann sollte man das unbedingt machen! Man kann eigentlich nichts verlieren und bekommt so viel Neues mit. Man wächst so ein bisschen über sich hinaus, was Selbst-Organisation betrifft. Damit hat man auch nie das Gefühl, verloren zu sein. Die NTNU hat eine große Informatikfakultät: Die haben dort ihre eigene Infrastruktur gemanagt, wo ich ein bisschen mitgemacht habe.
Es gab auch hin und wieder kleine Capture-the-Flags [Anmerkung der Redaktion: CTFs/ Capture-the-Flags sind Übungen im Bereich Computersicherheit]. Das sind Online-Schnitzeljagden für Informatikerinnen und Informatiker. Da konnte jeder einfach mitmachen. Man konnte sich mit Leuten connecten, Fragen stellen und hat neue Sachen gelernt. Nach der Universität konnte man sich mit Freunden treffen. Dieses CTF-Event habe ich mit an die HTWK Leipzig genommen und auch hier ein paar Challenges organisiert und durchgeführt. Das lief auch ganz gut. Selbst bei den Professoren kam es gut an.“
Dilan: „Man muss nicht alles wissen oder absolut perfekt vorbereitet sein, bevor man sich auf einen Auslandsaufenthalt einlässt. Vieles kommt währenddessen und man kann sich sowieso nie auf alles vorbereiten. Aber gerade das ist auch die Chance, so viel Neues zu lernen. Es gibt also keine perfekte Herangehensweise – nur die eigene.“
5 Tipps für eine bestmögliche Vorbereitung auf ein Austauschstudium
Kristin Törpel, Mitarbeiterin für Outgoing-Studierendenmobilität im Dezernat Studienangelegenheiten, fasst in fünf Punkten zusammenzufassen, wie man sich bestmöglich auf ein Austauschstudium vorbereiten kann:
- Informationsangebote nutzen: „Kommt frühzeitig in eine unserer Infoveranstaltungen, besucht den im Frühjahr stattfindenden International Day (Dieses Jahr am 20. Mai 2026!) und nutzt für spezielle Fragen die Sprechzeiten. Bewerbungsfristen können teilweise bis zu 1,5 Jahr vor dem geplanten Beginn im Ausland liegen. Insofern: informiert euch rechtzeitig!“
- Studienverlauf planen: „Informiert euch über euren Studienverlauf, erkundigt euch an der Fakultät hinsichtlich der Einbindung eines Auslandsaufenthaltes in euren Studiengang, die mögliche Anerkennung von Leistungen und die Organisation von Prüfungen.“
- Austauschmöglichkeiten kennenlernen: „Nutzt am besten als erstes das Mobility-Online Portal. Dort könnt ihr Erfahrungsberichte und Infomaterial der Partnerhochschulen für euren Studiengang einsehen. Sprecht mit Kommilitonen, die bereits einen Auslandsaufenthalt absolviert haben und schaut euch die Webseiten der möglichen Gasthochschulen an. Zusätzliche Erfahrungsberichte und länderspezifische Infos bietet die Webseite www.studieren-weltweit.de.“
- Fremdsprache lernen: „Ihr habt Interesse an einem bestimmten Zielland, z. B. Spanien oder Portugal oder Italien? Dann lernt so früh wie möglich auch die Landessprache. Oft, aber nicht immer, werden zwar Lehrveranstaltungen im Ausland auf Englisch unterrichtet, aber nicht in jedem Fall. Und Kenntnisse der Landessprache werden euch im Alltag vor Ort helfen und eure Integration erleichtern. Sprachlernangebote gibt es über das Hochschulkolleg - Fremdsprachen & Interkulturalität.“
- Interkulturelles Engagement: „Bereitet euch auf den Auslandsaufenthalt vor, besucht die interkulturelle Vorbereitung oder engagiert euch für internationale Studierende. Unser Buddyprogramm bietet dafür z. B. einen leichten Zugang und je nach Studiengang ggf. sogar 1-2 ECTS.“
Hilfreiche Links
- Überblick – Möglichkeiten für Auslandsaufenthalte im Studium
- Mobility-Online Portal - Austauschmöglichkeiten (inkl. Infomaterial der Partnerhochschulen und Erfahrungsberichten)
- Erasmus+ Informationen der NA DAAD (Nationale Agentur für Erasmus+ Hochschulzusammenarbeit, Deutscher Akademischer Austauschdienst)
- Auslands-BAföG
- Studieren weltweit (Erfahrungsberichte und Länderinfos)
Fremdsprachen & Interkulturalität
Der Bereich Fremdsprachen & Interkulturalität (FI) innerhalb der zentralen Einrichtung Hochschulkolleg (HSK) steht für eine moderne, studien- und berufsgerechte Fremdsprachenausbildung.


Ansprechpersonen
Beratung zum Thema Outgoing-Studierendenmobilität

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Autorin (Medienkontakt)

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Bewerbung für ein Austauschstudium
Weitere Informationen zur korrekten Bewerbung an einer Partnerhochschule und zum Auswahlverfahren finden sich im Bereich „international“ der HTWK-Website.

