Licht gegen Viren
Forschung zur Luftentkeimung mittels UVC-Strahlung
10.02.2026
Lüften allein reicht nicht immer. In der Infektionsprävention geht das Forschungsprojekt „BeCoLe“ neue Wege: Durch gezielte Luftentkeimung mittels UVC-Strahlung soll das Ansteckungsrisiko in Innenräumen gesenkt werden. Besonders für vulnerable Gruppen in Krankenhäusern kann das lebensrettend sein, aber auch Klassenräume, Theater und Behörden könnten so sicherer werden.

Die Corona-Pandemie…
… hat Schwachstellen offengelegt, besonders in der Luftqualität geschlossener Räume. Wo regelmäßiges Lüften nicht praktikabel oder ausreichend ist, braucht es alternative Konzepte. Genau hier setzt das Verbundforschungsprojekt „BeCoLe“ an, koordiniert durch die HTWK Leipzig (bis 06/2025 durch die S&P Sahlmann Planungsgesellschaft Leipzig für Gebäudetechnik): UVC-Strahlung soll die Luft in Innenräumen wirksam von Krankheitserregern befreien. Eine solche Strahlung wird bereits seit Jahren zur Desinfektion von Wasser und Oberflächen eingesetzt. Ihr Potenzial zur Luftentkeimung ist bekannt, blieb bisher jedoch weitgehend ungenutzt, weil verlässliche Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit in realen Aufenthaltsräumen fehlen. Die Projektpartner wollen das ändern: Sie untersuchen, wie sich UVC-basierte Luftentkeimung in der Praxis bewährt und wie Systeme so eingesetzt werden können, dass sie gesundheitlich unbedenklich und effektiv sind. Noch bis Mitte 2026 vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert, bündeln die großen Leipziger Wissenschaftseinrichtungen – die HTWK Leipzig, die Universität Leipzig, das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung sowie das Leibniz-Institut für Troposphärenforschung – ihre Kompetenzen und errichteten gemeinsam mit Praxispartnern ein neues Reallabor auf dem Gelände des Lichtanlagenspezialisten NEL in Leipzig-Heiterblick. Das „Herzstück“ der Anlage stellte die Firma Daikin.

Achtung, ansteckend!
Das knapp 200 Kubikmeter große Reallabor lässt sich umrüsten – mal als Klassenraum, mal als Wartezimmer – und ist mit zahlreichen Ventilen, Rohren und Messgeräten ausgestattet, um nachzuvollziehen, wie sich Aerosole – die Träger bakterieller und viraler Partikel – im Raum verteilen. In verschiedenen Szenarien versprühen die Forschenden durch in Mundhöhe angebrachte Röhrchen abgeschwächte Formen von Keimen. Dann messen sie, wie hoch die Konzentration der ansteckenden Partikel an unterschiedlichen Stellen im Raum ist. Alle dabei gewonnenen Messdaten und Erkenntnisse fließen in ein umfassendes Simulationsmodell ein. Dieses Modell dient der Entwicklung evidenzbasierter Strategien zur Raumluftdesinfektion und zur Kontrolle der Aerosolverbreitung, um geeignete Maßnahmen abzuleiten für den alltäglichen Einsatz in sensiblen Bereichen oder im Falle zukünftiger Pandemien.

Alles fließt – nur wohin?
Das Simulationsmodell entwickelten die Forscherinnen und Forscher der HTWK Leipzig unter der Leitung von Stephan Schönfelder, Professor für Simulation energetischer und technischer Systeme. Damit lässt sich berechnen, wie sich Aerosole im Raum verteilen und wie sich deren Konzentration durch den Einsatz von UVC-Systemen verändert. „Wir konnten mithilfe numerischer Strömungssimulationen nachweisen, dass mobile UVC-Raumluftentkeimungssysteme keiminfizierte wässrige Aerosole deutlich reduzieren. Besonders relevante Krankheitserreger wie der Tuberkulose-Erreger, das Grippe-Virus Influenza A und das Corona-Virus SARS-CoV-2 können theoretisch im Schnitt um bis zu 99,99 Prozent mit mobilen Luftentkeimungssystemen unschädlich gemacht werden. Die Ergebnisse zeigen zudem, dass die tatsächliche Dosis der UVC-Strahlung, die einen Keim erreicht, stark schwankt und nur durch Simulationen realistisch abgeschätzt werden kann“, so Dr. Florian Wallburg, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsprojekt.
Erneute Schließungen verhindern
Schönfelders Team konnte die Expertise in der Strömungssimulation gezielt einbringen und bereits publizierte numerische Modelle zur Aerosolausbreitung um die gezielte Luftentkeimung mittels UVC-Technologie ergänzen. „Somit lassen sich nicht nur Luftströmungen im Raum präzise berechnen, sondern erstmals auch das Infektionsrisiko unter realitätsnahen Bedingungen simulieren. Das Modell berücksichtigt dabei die jeweilige räumliche Anordnung, den technischen Geräteeinsatz und die voraussichtliche keimreduzierende Wirkung. Das ist ein wesentlicher Schritt hin zu belastbaren Entscheidungsgrundlagen für raumlufttechnische Schutzkonzepte und zukünftige Pandemiepläne“, so Schönfelder. Von den Projektergebnissen sollen unter anderem medizinische Einrichtungen, Schulen, Theater und Behörden in Form konkreter Handlungsempfehlungen profitieren. Außerdem haben die Praxispartner, wie der auf UVC-Geräte spezialisierte Hersteller Dinies Technologies, technologische Lösungen entwickelt, die inzwischen marktreif sind. Das ist ein Gewinn für alle: Je besser die Systeme angepasst und validiert sind, desto eher lassen sich damit Bereiche des öffentlichen Lebens schützen – ohne erneute Schließungen im Pandemiefall.



Sie wollen es genauer wissen?
Lesen Sie in den veröffentlichten Studien nach:
doi.org/10.3390/ijerph19106279 (Numerical Flow Simulation on the Virus Spread of SARS-CoV-2 Due to Airborne Transmission in a Classroom)
doi.org/10.13140/RG.2.2.25633.11366 (Particle-Resolved CFD Modeling of Indoor Air Disinfection Using Mobile Purification Systems)
Weiterführende Infos:
zum Forschungsprojekt “BeCoLe”
zum Forschungsbereich “Simulation energetischer und technischer Systeme”
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Was sagen die Medien?
TV-Beitrag im MDR um 2 vom 10. Oktober 2025: "Können UV-Strahlen die Luft in Räumen entkeimen?"
Süddeutsche Zeitung / dpa vom 11. Juni 2025: “Forscher wollen Keime mit UV-C verringern”
ZEIT ONLINE / dpa vom 11. Juni 2025: “Forscher wollen Keime mit UV-C verringern”
nd-aktuell.de vom 17.06.2025: "Forscher wollen Keime mit UV-C verringern"
(Auszug)
Hinweis: Dieser Beitrag erschien zuerst im Forschungsmagazin Einblicke 2025 und wurde hier aktualisiert.

